Politik - Affären

Druck auf katholische Kirche wächst

11.03.2010 - 19:47 Uhr

Landtag: Jeden Verdacht auf Missbrauch sofort melden - Neue Vorwürfe bei Domspatzen

München/Regensburg (ddp-bay). In der Debatte um Missbrauchsvorwürfe gegen Geistliche wächst der Druck auf die Katholische Kirche. Der bayerische Landtag kritisierte am Donnerstag einstimmig, dass in der Vergangenheit «Verdachtsfälle über Jahre und Jahrzehnte hinweg verschwiegen und nicht bei den staatlichen Ermittlungsbehörden angezeigt worden sind». Auch Justizministerin Beate Merk (CSU) verlangte, bei jedem Verdacht müsse künftig die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden.

In dem von allen Fraktionen beschlossenen Antrag der SPD fordert der Landtag von der Staatsregierung, klarzustellen, dass kircheninterne Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche «keinen Vorrang vor dem Strafverfolgungsmonopol des Staates» haben dürften. Verdachtsfälle seien grundsätzlich bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft anzuzeigen.

Unterdessen meldete sich im Fall der Regensburger Domspatzen ein Opfer, das über brutale Erziehungsmethoden auch noch im Jahr 2001 berichtete. Außerdem gingen Hinweise auf Misshandlungen in einem Internat in Oberfranken beim Erzbistum Bamberg ein. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) forderte professionelle Hilfe für Lehrkräfte und Schüler beim Umgang mit dem Thema.

Ein 19-jähriger Student und ehemaliger Domspatzen-Schüler schilderte aus seiner Schulzeit als Dritt- und Viertklässler entwürdigende und brutale Erziehungsmethoden. Aus der Zeit zwischen 1999 und 2001 berichtete der junge Mann, dass Internatsschüler im oberpfälzischen Pielenhofen, die die Nachtruhe störten, zur Strafe stundenlang und meist barfuß in einem dunklen Waschraum ausharren mussten. Die Schule gilt als Vorstufe für das Domspatzen-Gymnasium in Regensburg.

Außerdem soll ein Lehrer dem damaligen Schüler eine «Kopfnuss» mit der Faust verpasst haben. Entwürdigende Erziehungsmethoden seien demnach nicht nur vor vielen Jahrzehnten praktiziert worden, sondern auch noch in der jüngeren Vergangenheit, sagte der Student. Einem Sprecher des Bistums war der Fall auf Nachfrage nicht bekannt. Allerdings versicherte er, dass allen eingehenden Beschwerden nachgegangen werde. Das Bistum setzte heute auch eine Psychologin als Ansprechpartnerin für Opfer von physischer Gewalt ein.

Im oberfränkischen Internat Aufseesianum soll es in der Vergangenheit ebenfalls Misshandlungen von Schülern gegeben haben. Bisher seien drei E-Mails beim Erzbistum Bamberg eingegangen, die über zwei Vorfälle aus den 1960er und 1970er Jahren berichten, sagte ein Kirchensprecher. Aus den Schilderungen sei nicht ersichtlich, ob es sich dabei auch um sexuelle Übergriffe gehandelt habe.

Das Bistum hat nach eigener Aussage die Staatsanwaltschaft informiert und die Internatsleitung angewiesen, im Archiv nach Vorfällen zu recherchieren. Zwar handelt es sich bei dem Internat nicht um eine Klosterschule. Die Katholische Kirche war aber lange Zeit mit der Leitung der Einrichtung betraut. Die letzten Geistlichen verließen den Schulbetrieb nach Angaben der Internatsleitung vor 20 Jahren.

(ddp)

11.03.2010 - 19:47 Uhr | News-ID: 45597 | 17 Aufrufe

Schlagworte: Politik Meldung Affären Kirchen Missbrauch ZF2 München

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