Vermischtes - Affären
Kirchen kündigen Aufklärung von möglichen Missbrauchsfällen an
11.03.2010 - 21:17 Uhr
Bischof Fürst will lückenlose Aufklärung
Karlsruhe/Gaienhofen (ddp-bwb). Die Evangelische Landeskirche in Baden und die Diözese Rottenburg-Stuttgart haben am Donnerstag eine rückhaltlose Aufklärung bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch angekündigt. Der evangelische Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht sagte, dass alle ehemaligen Schüler der bestehenden und geschlossenen Internate in landeskirchlicher Trägerschaft angeschrieben und aufgefordert würden, bislang unbekannte Fälle sexuellen Missbrauchs der Kirchenleitung anzuzeigen.
«Wir wollen eine lückenlose Aufklärung an allen Schulen der Stiftung und werden in der Verfolgung der Verdachtsfälle null Toleranz üben», sagte Schneider-Harpprecht. Eine Arbeitsgruppe, an der ein Jurist beteiligt ist, werde sich um die Aufarbeitung möglicher gemeldeter Vorfälle bemühen und dabei mit den staatlichen Behörden eng zusammenarbeiten.
Seit 2002 habe die Landeskirche klare Leitlinien, die eine frühe Einbindung der Justizbehörden vorsehen. Sobald sich ein Verdacht erhärte, sei Strafanzeige zu erstatten - auch gegen Mitarbeitende, die sich bereits im Ruhestand befänden, betonte der Oberkirchenrat. Zudem sehen sie eine unverzügliche Suspendierung der möglichen Täter und Hilfsangebote für die Opfer vor.
In allen bislang bekannten Fällen des sexuellen Missbrauchs habe die Landeskirche stets zeitnah und konsequent gehandelt. So wurden an der Internatsschule Gaienhofen bereits in früheren Jahren Fälle entsprechend verfolgt. Fünf Heimerzieher oder Lehrkräfte des Internats in Gaienhofen wurden seit Anfang der 60er Jahre entlassen, weil ihnen sexueller Missbrauch oder der Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen worden war. In zwei Fällen wurde von den Betroffenen Anzeige erstattet.
Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sprach sich ebenfalls für eine lückenlose Aufklärung und eine Bestrafung der Täter aus. Allerdings betonte er, dass die Beschuldigten vor öffentlichen Vorverurteilungen geschützt werden müssten. Konkrete Angaben, wie viele Verdachtsfälle vorlägen, wollte Fürst nicht machen.
Der Bischof betonte, dass sich Betroffene persönlich beim bischöflichen Mitarbeiter und der Kommission sexueller Missbrauch melden müssten. Die Kommission gehe unabhängig von gesetzlichen Verjährungsfristen auch Vorkommnissen sorgfältig nach, die weit zurückreichten, versicherte er. Anonyme Anzeigen hingegen könnten nicht seriös aufgearbeitet werden, betonte er.
(ddp)
11.03.2010 - 21:17 Uhr | News-ID: 45620 | 28 Aufrufe
Schlagworte: Vermischtes Meldung Affären Kirchen Missbrauch ÜS1 Karlsruhe








