Wirtschaft - Justiz

BGH-Präsident skeptisch gegenüber Englisch als Gerichtssprache

05.02.2010 - 12:16 Uhr

«Ich warne vor allzu forschen Globalisierungs-Euphorien»

Karlsruhe (ddp-nrd). Der Präsident des Bundesgerichtshofs, Klaus Tolksdorf, sieht den Länder-Vorstoß skeptisch, internationale Wirtschaftsprozesse vor deutschen Gerichten in Englisch zu führen. «Ich warne vor allzu forschen Globalisierungs-Euphorien», sagte Tolksdorf am Donnerstagabend beim Jahrespresseempfang des BGH in Karlsruhe.

Justiz lebe von der Sprache. Für eine Verhandlungsführung in Englisch sei aber ein besonderes Fachvokabular nötig, dass längst nicht jeder Richterkollege besitze. «Es drohen Fehlurteile», sagte Tolksdorf, der dazu mahnte, den «Heimvorteil» der deutschen Sprache nicht leichtfertig aufzugeben. Er betonte auch, dass der Instanzenzug nicht aus dem Blick geraten dürfe. Denn im Falle einer Revision müsste dann möglicherweise auch am Bundesgerichtshof in Englisch verhandelt werden. «Endet mit Englisch als Gerichtssprache die Sprachverwirrung wirklich oder fängt sie da erst an?», fragte der BGH-Präsident.

Nach der Bundesratsinitiative von Nordrhein-Westfalen und Hamburg sollen spezialisierte Kammern für internationale Handelssachen (KfiHG) zuständig sein, die bei ausgewählten Landgerichten eingerichtet werden. Hamburgs Justizsenator Till Steffen (GAL) sagte Ende Januar, es liege nahe, «dass internationale Wirtschaftsunternehmen ihre Rechtsstreitigkeiten in englischer Sprache ausfechten wollen». Der gemeinsame Gesetzentwurf sollte am 12. Februar im Bundesrat behandelt werden.

(ddp)

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