Vermischtes

Deutsche spenden wieder mehr

04.12.2010 - 15:13 Uhr

Bis Ende September 19 Prozent mehr im Vergleich zu 2009

Berlin (dapd). Die Bundesbürger spenden wieder mehr. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin erwartet für 2010 einen deutlichen Anstieg des Spendenaufkommens im Vergleich zum Vorjahr. Nach dem Rückgang von etwa drei Prozent im Vorjahr hätten nicht nur die Katastrophen in Haiti und Pakistan zu mehr Geldspenden geführt, sagte der DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke im dapd-Interview.

Bis Ende September stieg das Spendenaufkommen um 19 Prozent, wie die Marktforscher vom GfK Panel Services ermittelt haben. Im vergangenen Jahr wurden rund 2,1 Milliarden Euro gespendet. Der Deutsche Spendenrat erwartet, dass die höhere Spendenbereitschaft anhält. Dessen Geschäftsführerin Daniela Felser sagte, Grund dafür sei die Besserung der Wirtschaftslage.

Den höchsten Zuwachs gab es Anfang des Jahres und im Sommer: Im Januar, als sich in Haiti das verheerende Erdbeben ereignete, erhielten Hilfsorganisationen laut GfK CharityScope insgesamt 290 Millionen Euro, das sind 115 Millionen mehr als im Januar 2009. Im Februar wurde noch ein überdurchschnittliches Plus an Spenden von 29,3 Prozent verzeichnet: Gezahlt wurden 175 Millionen, das sind 40 Millionen mehr als im Vorjahresmonat. Im August, als über Pakistan die Hochwasserkatastrophe hereinbrach, spendeten die Deutschen 213 Millionen, das sind 86 Millionen oder 68,1 Prozent mehr als im August 2009.

Wilke erklärte: "Langjährige Erfahrungen besagen, dass die Menschen auch in Krisenzeiten relativ zuverlässig spenden. Das hat sich mit dem nur geringen Rückgang in 2009 und dem deutlichen Zuwachs in dieses Jahr wieder einmal bestätigt."

DZI-Gebührenpraxis verteidigt

Bei der Entscheidung, für welche Organisation gespendet wird, sind nach Einschätzung Felsers "größtmögliche Transparenz und Wahrhaftigkeit" maßgeblich. Viele Spender wollten nicht nur Geld geben, sondern interessierten sich auch dafür, wie damit geholfen werde, sagte die Geschäftsführerin des Spendenrats. Dieser Dachverband Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen setzt sich unter anderem für mehr Transparenz im Spendenwesen ein und will den ordnungsgemäßen treuhänderischen Umgang mit Spendengeldern durch freiwillige Selbstkontrolle sicherstellen. Die Mitgliedsorganisationen, darunter laut Felser auch "ganz Kleine mit einem Spendenaufkommen von 2.000 Euro im Jahr" zahlen Beiträge in einer Staffelung von 130 Euro bis höchstens 3.000 Euro.

DZI-Geschäftsführer Wilke verteidigte auch die Zahlungen für das Spendensiegel. Zudem wies er daraufhin, dass das DZI ohne Gebühr auch Auskünfte zu rund 350 Organisationen ohne Spendensiegel erstelle. Gerade kleinen Organisationen biete sich durch die vom DZI mit getragene "Initiative Transparente Zivilgesellschaft" eine weitere kostenlose Möglichkeit, ohne Zusatzkosten Transparenz zu zeigen. "Die einheitliche Grundgebühr für das Siegel beträgt 500 Euro, hinzu kommen 0,035 Prozent der Sammlungseinnahmen. Bei Spenden von beispielsweise einer Million Euro kommt somit eine Zusatzgebühr von 350 Euro hinzu. Einschließlich der Mehrwertsteuer sind dies etwa 1.000 Euro, also ein Promille der Spendensumme" erläuterte Wilke.

Die Gebühren-Höchstgrenze liege bei 10.000 Euro, diese Summe müssten etwa 15 Organisationen zahlen, die mindestens rund 27 Millionen Euro an Spenden jährlich einwerben. Rund 40 Prozent der mit einem Spendensiegel ausgestatteten Hilfsorganisationen hingegen hätten Jahreseinnahmen von weniger als einer halben Million Euro, sagte Wilke.

UNICEF hat wieder Spendensiegel

Die Präsidentin der deutschen Sektion des Vereins "Innocence in Danger", Stephanie zu Guttenberg, hatte zuvor die Kosten für das Spendensiegel kritisiert. Zu dem in Medienberichten formulierten Vorwurf, dem Verein fehle das Spendensiegel, sagte die Frau von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Organisation spare dadurch jährlich 10.000 Euro, "die wir lieber für Kinderprojekte einsetzen". Das aktuelle Spendenaufkommen in diesem Jahr bezifferte sie auf 200.000 Euro bis Oktober.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, unterstützt diese Gebührenpraxis. Das DZI erbringe damit eine Dienstleistung für alle Hilfsorganisationen, die entsprechend bezahlt werden müsse. Dieckmann sagte im dapd-Interview: "Dabei geht es gerecht zu: Die Höhe des Beitrages richtet sich nach den Einnnahmen der Organisationen, sodass kleine Organisationen entsprechend weniger zahlen." Das DZI habe in einem oft schwer durchschaubaren Feld für Transparenz und klare Richtlinien gesorgt, die für alle nachvollziehbar seien.

Nach DZI-Angaben tragen derzeit 271 Organisationen in Deutschland ein DZI-Spendensiegel. Seit vier Wochen verfügt Wilke zufolge auch die Kinderhilfsorganisation UNICEF wieder über diese Zertifizierung. UNICEF Deutschland war Ende 2007 wegen undurchsichtiger Beraterverträge mangelnder Transparenz von Provisionszahlungen in die Kritik geraten. Nach einer Sonderprüfung des DZI war der Organisation das Spendensiegel dann im Februar 2008 aberkannt worden.

(dapd nachrichtenagentur)