Politik - Klima

Edenhofer will Verhandlungen über Klimaschutz verschlanken

11.11.2011 - 06:01 Uhr

Warnung vor Auswirkungen des Klimawandels - Nächste Klimakonferenz Ende November in Durban

Berlin (dapd). Wenige Wochen vor der nächsten Klimakonferenz im südafrikanischen Durban plädiert der Klimaforscher Ottmar Edenhofer für ein neues Verhandlungsformat. "Man muss den Teilnehmerkreis verkleinern und die Instrumente erweitern", sagte der Chefökonom und stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) bei einer Veranstaltung in Potsdam. Es habe sich gezeigt, dass Verhandlungen im Kreis aller Staaten ein "miserables Instrument" seien, "um Kompromisse auszuloten".

Edenhofer schlug daher vor, über weitere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel in einer Runde der weltweit größten Treibhausgasemittenten zu beraten. Zu ihnen gehören unter anderem die USA, China und die EU. Der Prozess im Rahmen der Klimarahmenkonvention UNFCCC, der insgesamt 194 Staaten sowie die EU angehören, solle parallel jedoch fortgeführt werden.

Außerdem plädierte Edenhofer dafür, auch andere Wege zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes zu gehen. Dazu gehöre insbesondere die Streichung von Subventionen für die fossile Energiegewinnung. In den Industriestaaten könnten so 20 bis 30 Prozent Milliarden Dollar pro Jahr eingespart werden, die in den Klimaschutz investiert werden könnten. "Wir unterschätzen, in welchem Ausmaß Kohle noch gefördert wird", betonte der Chefökonom des PIK. Eine Abschaffung der Subventionen würde seiner Einschätzung nach zu einer Verringerung von 10 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 führen.

Einen weiteren signifikanten Beitrag zum Klimaschutz könnte die Umsetzung des Klimafonds leisten, sagte Edenhofer. Die auf der letzten Klimakonferenz in Cancún zugesagten Gelder könnten zu einer Verringerung des Treibhausgasausstoßes bis 2020 um fünf Gigatonnen beitragen.

Sein Kollege Stefan Rahmstorf warnte, dass aktuelle Studien den Schluss nahelegten, dass die Entwicklungen die schlimmsten Erwartungen des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2007 noch übertreffen könnten. Insbesondere verwies er auf die Gefahr eines weiteren Anstiegs des Meeresspiegels. In der Arktis habe die Eisdecke in den letzten Jahren deutlich abgenommen, seit 1980 sei das Volumen um zwei Drittel geschrumpft. Auch die Eisschmelze in Grönland habe sich in den letzten Jahren beschleunigt. Bis Ende des Jahrhunderts werde der Meeresspiegel voraussichtlich um rund einen Meter ansteigen, im besten Fall um 75 Zentimeter, im schlechtesten Fall um 1,90 Meter.

Um das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Drittel einhalten zu können, dürfen nach Darstellung Rahmstorfs insgesamt noch 750 Gigatonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. Aber auch dann drohen weiterhin Risiken. "Auch wenn wir nur eine Erderwärmung von zwei Grad haben, können wir als Klimaforscher nicht sagen, das ist eine sichere Grenze", warnte er.

Vom 28. November bis 9. Dezember findet im südafrikanischen Durban die nächste Klimakonferenz statt. International wird immer noch um ein Nachfolgeabkommen für das sogenannte Kyoto-Protokoll gerungen, auf das sich 1997 mehr als 170 Unterzeichnerstaaten verständigten. Es sieht vor, den weltweiten Kohlendioxidausstoß bis 2012 um rund fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Die Verpflichtungsperiode begann 2008 und läuft Ende 2012 aus. Für den Zeitraum danach gibt es keine Regelung.

(dapd nachrichtenagentur)