Leute - Personalien

Eine starke Frau

12.11.2009 - 11:24 Uhr

Robert Enkes Witwe Teresa verdient allen Respekt

Mehr über Klaus P. LewohnKommentar von Klaus P. Lewohn

Hannover (OPEN REPORT-kpl). Schon rein optisch hat sie so gar nichts gemein mit all den Victorias und Martinas, mit denen sich aktuelle wie ehemalige Fußball-Stars nur allzu gern umgeben. Und im Verhalten schon gar nicht. Statt der öffentlichen Inszenierung exzessiver Shopping-Touren kümmert sie sich lieber um den Schutz von Tieren, statt ihr Privatleben in allen Details vor dem staunenden Publikum auszubreiten, bewältigt sie still im Kreis der Familie selbst härteste Schicksalsschläge wie den Verlust der kleinen Tochter.

Und gestern stellte sie sich, nicht einmal 24 Stunden nach Robert Enkes Freitod, über zweihundert Journalisten in einer Pressekonferenz. Die Art und Weise, auch die Offenheit, mit der sie Einblick in die Hintergründe ihrer Familientragödie gab, nötigen Bewunderung und Respekt ab.

Sie muss wohl zugunsten der ihr am Herzen liegenden Botschaft auf die Einhaltung von Schweigepflichten verzichtet haben. Denn auch Valentin Marksen, der Kölner Psychotherapeut, der Robert Enke seit 2003 behandelte, gab Details aus dessen Krankengeschichte bekannt. Teresa Enkes Intention ist klar erkennbar: Sie möchte bewirken, dass andere von Depressionen Betroffene eben nicht denselben Weg wählen, erkennen, dass es Heilungsmöglichkeiten gibt. Nichts fürchtete Robert Enke nach ihrer Schilderung so sehr wie das Bekanntwerden seiner Krankheit, weil im Leistungssport, gerade und erst recht aber im Profi-Fußball, Leistungsfähigkeit und zur Schau getragene Stärke das Maß aller Dinge sind. Und darin, Stärke zu zeigen, obwohl es ihm in Wirklichkeit dreckig ging, entwickelte sich Enke zum wahren Meister - auf Kosten seiner Gesundheit. Ihn mag auch der Fall des Sebastian Deisler beeinflusst haben, der zuletzt bei Bayern München engagiert war und ebenfalls an Depressionen erkrankte. Nach seinem "Outing" wurde Deisler hinter vorgehaltener Hand von seinen eigenen Mannschaftskameraden als "die Deislerin" verspottet.

Ob Teresa Enke wirklich viel bewegt, lässt derzeit noch nicht einschätzen. Der DFB zumindest hat das Freundschafts-Länderspiel für kommenden Sonntag abgesagt, die tiefe Betroffenheit ist sicherlich echt. Auf jeden Fall muss ein Prozess einsetzen, in dem über so Manches nachgedacht wird. Wenn das geschieht, hat Teresa Enke schon viel erreicht, auch für andere "Randgruppen" im Leistungssport. Man denke nur an das Thema "Homosexualität", das im Fußball, aber auch in anderen (Mannschafts- und Männer-)Sportarten nach wie vor ein Tabu ist.

Zu verdanken wäre das auch der tapferen und mutigen Haltung von Teresa Enke, die schon allein dafür allen Respekt und größte Hochachtung verdient.

Wahrlich: eine starke Frau!

Von Klaus P. Lewohn

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