Politik - Justiz
Holocaust-Leugner Williamson im April vor Gericht
27.01.2010 - 14:48 Uhr
Persönliches Erscheinen angeordnet - Knobloch kritisiert Vatikan
Regensburg/München (ddp). Wegen seiner Holocaust-Leugnung soll sich Traditionalistenbischof Richard Williamson Mitte April persönlich vor dem Regensburger Amtsgericht verantworten. Für den Prozess am 16. April sei das persönliche Erscheinen Williamsons angeordnet worden, sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch und fügte hinzu: «Das Gericht legt Wert darauf, ihm selbst Fragen zu stellen.» Nach Angaben von Williamsons Coburger Anwalt Matthias Loßmann ist noch nicht klar, ob sein Mandant nach Regensburg kommen werde. «Das ist eine Sache, die wir miteinander noch besprechen müssen», sagte er dazu lediglich.
Rechtliche Konsequenzen muss der Bischof der Piusbruderschaft dem Gerichtssprecher zufolge allerdings nicht fürchten, falls er nicht zum Prozess erscheinen sollte. «Wenn er nicht kommt, ist es seine Sache», erläuterte er. «Man kann ihn nicht zwingen.» Der Prozess werde auf jeden Fall auch ohne Williamson stattfinden.
Der Bischof hatte im November 2008 im oberpfälzischen Zaitzkofen im Interview mit einem schwedischen Fernsehteam die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit bestritten. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200 000 bis 300 000 von den Nazis ermordet worden. Das Amtsgericht Regensburg erließ daraufhin gegen Williamson im Oktober 2009 einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung mit einer Geldstrafe von insgesamt 12 000 Euro, gegen den der Bischof aber Einspruch einlegte. Daher kommt es zur Hauptverhandlung. Der 69-Jährige war von der Piusbruderschaft nach dem Wirbel um seine Äußerungen seiner Ämter entbunden worden und lebt seither in London.
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, kritisierte unterdessen erneut den Umgang des Vatikans mit Williamson und der Piusbruderschaft. «Williamson hat bis heute keine Einsicht gezeigt und seine Holocaust-Leugnung nicht zurückgenommen, obwohl der Vatikan ihm einige Wochen Bedenkzeit eingeräumt hat», betonte Knobloch.
Hinzu komme, dass die Piusbruderschaft von ihrer antisemitischen Haltung bislang nicht abgerückt sei und jüdische Menschen nach einem alten judenfeindlichen Stereotyp als Gottesmörder bezeichne. Das sei «nicht hinnehmbar». Die Zentralratspräsidentin betonte: «Warum der Vatikan alle Provokationen durchgehen lässt und die Traditionalisten, die die Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog prinzipiell ablehnen, hofiert, ist nicht nachvollziehbar.»
(ddp)
27.01.2010 - 14:48 Uhr | News-ID: 36267 | 54 Aufrufe
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