Kultur

In Altlangsow trauern Künstler und Dorfbewohner gemeinsam

31.07.2010 - 20:37 Uhr

Bildhauer Werner Stötzer beerdigt

Seelow (ddp). Vor dem alten Pfarrhaus in Altlangsow flattert rot-weißes Absperrband und hindert Neugierige am Weitergehen. «Wir dürfen nur Personen durchlassen, die auf der Liste stehen», sagt ein Feuerwehrmann und weist Passanten zurück, die einen Blick auf den Skulpturengarten unter den alten Apfelbäumen des Bildhauerpaares Werner Stötzer und Sylvia Hagen hinter dem Backsteingebäude werfen wollen. An diesem Samstag wird Werner Stötzer, der am 22. Juli im Alter von 79 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben ist, beerdigt.

Seit die beiden Künstler vor mehr als 30 Jahren in das 300-Seelen-Dorf im Osten Brandenburgs kamen und das leerstehende Pfarrhaus vor dem weiteren Verfall bewahrten, war das Grundstück grundsätzlich offen für Besucher. «Der Stötzer war ein ganz besonderer Mensch, der hat sich nicht abgekapselt, sondern das Gespräch gesucht. Und der Garten war sein Arbeitszimmer», sagt Carla Rybin. Verstohlen wischt sich die 55-Jährige eine Träne aus dem Gesicht. Das ganze Dorf sei traurig über den Verlust seines berühmten Einwohners, sagt sie.

Die Trauerfeier für den gebürtigen Thüringer vereint Künstler aus allen Teilen des Landes mit den Menschen aus seinem selbst gewählten Lebensumfeld im Oderbruch. Gemeinsam tragen sie ihn nach einer bewegenden Trauerfeier auf dem kleinen Friedhof am Rande von Altlangsow zu Grabe. Anschließend wird im und vor dem Schul- und Bethaus des Ortes Kaffee getrunken und sich erinnert. «Ich kenne niemanden, der etwas Negatives über Stötzer sagen würde. Er war ein ausgesprochener Menschenfreund, einfach liebenswert», sagt an einem der Stehtische Dieter Weinreich, langjähriger Freund und Hausarzt des Bildhauers. Wer ihm zuhört, nickt zustimmend.

Dass man sich an dem 1832 nach Plänen des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel errichteten Schul- und Bethaus des Dorfes trifft, ist kein Zufall. Stötzer hat den Backstein-Fachwerkbau mit seinem charakteristischen Satteldach einmal als eigentlichen «Star» von Altlangsow bezeichnet. Das einzigartig gebliebene Haus, das als Kombination von Betsaal, Lehrerwohnung und Einklassenschule nach Schinkels Vorstellungen in Serie gebaut werden sollte, steht in unmittelbarer Nachbarschaft des alten Pfarrhauses und war damals dem Verfall preisgegeben.

«Den Betsaal mit Empore, Tonnengewölbe und dorischen Säulen hat Stötzer schon Ende der 80er Jahre restaurieren lassen. Der andere Gebäudeteil folgte in Wendezeiten», erzählt Rybin, die hier selbst noch die Schulbank gedrückt hat. Mit befreundeten Künstlern und Nachbarn gründete Stötzer 1991 den Förderverein Schul- und Bethaus Altlangsow, der aus dem einstigen Funktionsgebäude eine über Brandenburger Grenzen hinaus bekannte Galerie machte.

Nach Schilderungen der Altlangsower und vieler Fördervereinsmitglieder reißen sich Künstler inzwischen darum, hier - mitten in der Ostbrandenburger Provinz - ausstellen zu dürfen. «Dadurch, dass Stötzer so berühmt war, hat er dem Verein viele Türen geöffnet. Und dem Haus zu weitreichender Anerkennung verholfen», erzählt Adele Sauerbier vom Förderverein.

Doch nicht nur bildende Künstler geben sich im Schul- und Bethaus die Klinke in die Hand. Auch der Dorfchor probt hier, der Malzirkel trifft sich regelmäßig. Die Altlangsower gehören ebenso dazu wie die deutsche Kunstszene. Das soll auch künftig so sein. Auch wenn der Förderverein über den Verlust seines Begründers noch immer sehr betroffen und ist, wie Weinreich betont. Für ihn sei es ein Trost, Stötzers Werke «überall in Deutschland» zu entdecken - ob auf dem Domplatz in Würzburg, am Marx-Engels-Forum in Berlin oder vor dem Bankengebäude in Frankfurt(Oder).

(ddp)

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