Kultur
Leuchtturm-Geschichten vom Kap Arkona
28.06.2011 - 15:00 Uhr
Theaterstück erzählt Episoden über Rügens ersten Leuchtturmwärter Schilling
Kap Arkona (dapd). Er gilt als Rügener Original, und doch weiß man über den ersten Leuchtturmwärter vom Kap Arkona bis heute nur wenig. Selbst seine Lebensdaten sind nicht bekannt. Viele Jahre verrichtete Eduard Schilling als preußischer Beamter Dienst im 1828 in Betrieb genommenen Schinkel-Leuchtturm bei Putgarten. Im vergangenen Winter entdeckte der Berliner Regisseur Jens Hasselmann im Archiv der Gemeinde historische Unterlagen, die Auskunft über Schillings Leben gaben. Er machte daraus ein amüsantes Theaterstück, das am 10. Juli zum diesjährigen Kultursommer am Kap Arkona unter freiem Himmel seine Premiere haben wird.
In der Rolle des alten Mannes am Kap wird am Fuße des Arkona-Leuchtturms der Warnemünder Schauspieler Burkhard Kurth zu erleben sein, bekannt vor allem durch zahlreiche Engagements bei den Rügener Störtebeker-Festspielen bis 2008. Die Gestalt habe ihn sofort gereizt, sagt der 67-Jährige, der seit März den Text für das 90-minütige Ein-Personen-Stück einstudiert. "Schilling war ein völlig schräger Typ, der gesoffen hat, seine Gäste auch mal anbrüllte, auf der anderen Seite aber auch sehr herzlich war, geholfen hat, wo er konnte, und vielen Menschen in Seenot das Leben rettete."
Aus alten Zeitungen gehe hervor, dass der alte Schilling von 1866 bis 1881 bei mindestens 130 Strandungen auf den Untiefen vor dem gefährlichen Kap im Einsatz gewesen sei, sagt Regisseur Hasselmann. Zusammen mit Rügener Fischern rettete er 60 Menschen vor dem Ertrinken. Bei einem der Einsätze kam sein Sohn ums Leben. "Schilling war aber nicht nur Beamter", sagt Hasselmann. Der Mann, der mit seiner Frau und mindestens drei Kindern am Leuchtturm lebte, hatte zehn Morgen Land bewirtschaftet, Haustiere gehalten und mit den Erträgen eine Kneipe betrieben.
Bei den Recherchen stieß Hasselmann auch auf ein 156 Jahre altes Kochbuch, in dem Schilling neben allerlei praktischen Haushaltstipps auch etwa 50 seiner Rezepte verewigt hatte. Kostproben daraus, wie Schillings Brot- und eine Biersuppe mit Häppchen, will der Berliner Koch Thomas Bräuhäuser den Theatergästen in der Vorstellungspause am Kap reichen.
Stoff für das Theaterstück fand der Autor aber vor allem in Kopien der im Zweiten Weltkrieg verschollenen historischen Fremdenbücher vom Kap. "Daraus geht hervor, dass der alte Schilling zu Lebzeiten recht bedeutende Persönlichkeiten in den beiden Gästezimmern seines Leuchtturms beherbergte", sagt Hasselmann.
Zu ihnen gehörten der Schriftsteller Theodor Fontane (1819-1898), der Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), der Komponist Johannes Brahms (1833-1897) sowie der Maler Caspar David Friedrich (1774-1840). Sogar der spätere deutsche Kaiser Friedrich III. (1831-1888), der wegen seiner kurzen Regentschaft auch der Hunderttagekaiser genannt wurde, logierte einst als Kronprinz bei Schilling ganz privat und in aller Abgeschiedenheit im Inselnorden. Auch Otto von Bismarck (1815-1898) war vor seiner Reichskanzlerschaft zu Gast im Leuchtturm.
Die meisten der Besucher befanden sich damals auf privater Durchreise und verbrachten nur wenige Tage am Kap. Verbürgt ist, dass Schilling im Umgang mit der Prominenz mitunter keinen großen Unterschied zum Beispiel zu einfachen Kutschern gemacht haben soll. Die insgesamt acht Aufführungen am Kap sollen vergnügliche Kostproben solcher Begegnungen liefern.
(dapd nachrichtenagentur)
28.06.2011 - 15:00 Uhr | News-ID: 123656 | 230 Aufrufe
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