Politik

Linkspartei fordert Abberufung Sarrazins aus Bundesbankvorstand

26.08.2010 - 13:41 Uhr

Linkspartei-Chefin Lötzsch sieht das Ansehen der Bundesbank durch Sarrazins Äußerungen beschädigt

Berlin (ddp). Nach den Grünen fordert nun auch die Linkspartei die umgehende Abberufung von Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) aus dem Vorstand der Bundesbank. Der wegen migrantenkritischer Thesen umstrittene Sarrazin sei «in einem öffentlichen Amt untragbar», sagte Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch am Donnerstag in Berlin. «Die Notenbank darf kein verantwortungsfreier Raum sein. Ein Spitzenbeamter, der Menschen aufhetzt, ist nicht akzeptabel», kritisierte die Parteivorsitzende.

Sarrazin schade dem Ansehen der Bundesbank und der Bundesrepublik. «Es muss alles getan werden, um ihn aus dem Vorstand der Bundesbank zu entfernen», sagte Lötzsch.

Die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, warf Sarrazin «rassistische Hetztiraden» und «NPD-Positionen» vor. «Es ist skandalös, dass Rassisten in Deutschland führende Funktionen bekleiden dürfen. Dass ein Vorstandsmitglied der Bundesbank sein Gift versprüht und versucht, die Gesellschaft zu spalten, ist ein unhaltbarer Zustand.»

Zugleich forderte Dagdelen die SPD auf, «endlich zu handeln und Sarrazin aus der Partei auszuschließen». Öffentliche Kritik seitens der SPD-Führung reiche nicht mehr aus. Die «Untätigkeit der SPD» sei ein «Schlag ins Gesicht» aller Demokraten.

Sarrazin hatte zuvor mit Interviewäußerungen und vorab veröffentlichten Passagen seines neuen Buches «Deutschland schafft sich ab» den Unmut auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf sich gezogen. So moniert Sarrazin unter anderem, die muslimische Einwanderung nach Deutschland habe den Staat «sozial und auch finanziell wesentlich mehr gekostet, als sie uns wirtschaftlich gebracht» habe. Auch sei bei keiner anderen Religion «der Übergang zu Gewalt, Diktatur und Terrorismus so fließend».

(ddp)

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