Wirtschaft - Konjunktur

Luftverkehr düst aus der Krise

09.09.2010 - 16:25 Uhr

Fraport und Lufthansa mit guten Zahlen - Kritik an Flugsteuer

Berlin/Frankfurt (dapd). Der deutsche Luftverkehr lässt die Krise hinter sich. Der Flughafen Frankfurt/Main und die Lufthansa berichteten am Donnerstag von steigenden Passagier- und Frachtzahlen. Zugleich kritisierte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber die neue Flugsteuer als einen "Eisblock aus dem Himmel". Er glaube nicht, dass sein Unternehmen sie vollständig auf die Passagiere abwälzen könne. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir das eins zu eins weitergeben können", sagte er vor Journalisten in Berlin. "Das haben wir noch nie geschafft", fügte er hinzu. "Dafür ist die Konkurrenz zu groß."

Die Steuer entspreche den Gewinnen der Branche eines sehr guten Jahres, sagte Mayrhuber weiter. Sie werde verlangt, um ein Haushaltsloch zu stopfen, das nicht die Flugbranche aufgerissen habe, "sondern die Gebrüder Lehman". Er gehe aber davon aus, dass die Steuer so komme wie beschlossen. Sie nun noch einmal zu ändern, würde nur ein "heilloses Durcheinander" schaffen.

Weitere Auswirkungen der Steuer wie Verlagerungseffekte seien noch unklar. Als die Niederlande eine solche Steuer erhoben hätten, habe der Flughafen Düsseldorf zwölf Prozent Zuwachs erlebt. Als sie wieder abgeschafft worden sei, sei dieses Geschäft wieder verschwunden. Auf die Frage, ob die Lufthansa wegen der Steuer nun neue Flugzeuge später kaufen werde, sagte der Konzernchef vorsichtig: "Wir müssen sehen, wie wir das mit neuen Flugzeugen aussteuern." Er hoffe auf Wachstum.

Im August jedenfalls transportierte der Konzern deutlich mehr Fluggäste und Fracht als ein Jahr zuvor. Er flog 8,51 Millionen Passagiere und damit 20,0 Prozent mehr, wie das Unternehmen in Frankfurt/Main mitteilte. Kumuliert betrug das Plus in den ersten acht Monaten sogar 24,3 Prozent auf 59,18 Millionen Passagiere. Das Frachtvolumen stieg im August um 18,7 Prozent auf 173.000 Tonnen. Verantwortlich für das starke Wachstum war auch die Einbeziehung von Austrian Airlines in die Zahlen. Die Sitz-Auslastung sank um 0,7 Prozentpunkte auf 83,2 Prozent. In Asien wurde mit 88,4 Prozent und Amerika mit 87,4 Prozent die hohe Auslastung gehalten.

Auch der Flughafen Frankfurt/Main kündigte gute Zahlen an. Die Frachtvolumina seien wieder auf Vorkrisenniveau, sagte der Chef der Betreiber-Gesellschaft Fraport, Stefan Schulte, in Berlin. Auch bei den Passagierzahlen sehe er "sehr, sehr gute Zuwachsraten". An einzelnen Tagen würden sogar wieder Spitzenwerte erreicht. Ursache sei die "zügige konjunkturelle Erholung", sagte Schulte. Auch andere Flughäfen und viele Fluggesellschaften spürten jetzt diese Entwicklung.

Mayrhuber berichtete weiter, dass die Lufthansa auf der Strecke von Frankfurt nach Hamburg mit Bio-Sprit experimentiert. Dafür werde eine Serie von Flügen veranstaltet, bei denen ein Triebwerk der Maschine mit Bio-Sprit gespeist werde, das andere mit Kerosin. Es gehe darum, welche der identifizierten vier bis fünf Sorten Bio-Sprit am wirtschaftlichsten sei und wie die Beschaffung am besten in das Lufthansa-System eingefädelt werden könne. Ziel sei es, im Jahr 2020 rund zehn Prozent Bio-Sprit zu verbrennen.

Der Luftverkehr hat ab einer Distanz von etwa 500 Kilometern Kostenvorteile gegenüber anderen Verkehrsträgern. Das ist das Ergebnis einer Studie der Initiative "Luftverkehr für Deutschland", hinter der die Lufthansa, die Deutsche Flugsicherung sowie die beiden Flughäfen Frankfurt/Main und München stehen. Für Geschäftsreisende begännen die Kostenvorteile bereits ab 400 Kilometer, hieß es weiter. Eingeschlossen worden seien die Kosten für Betrieb, Infrastruktur, Nutzerzeit sowie externe Umwelt- und Unfallkosten.

(dapd nachrichtenagentur)