Vermischtes - Prozesse

Mutmaßlicher Hochstapler vor Gericht

08.02.2010 - 18:31 Uhr

Angolaner «Dr. B.» gab sich als Konsulatsmitarbeiter aus - Wegen Urkundenfälschung vor Gericht

Frankfurt/Main (ddp-hes). Der selbsternannte Doktor hat offensichtlich eine lebhafte Fantasie: Ohne das Gesicht zu verziehen, berichtet Joao Mario B. von angeblichen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und gar einer Einladung des US-Präsidenten Barack Obama nach Amerika. Er setzt noch einen drauf, erzählt von der Gründung einer neuen Partei und sagt: «Ich möchte Bundeskanzler werden» - als erster Schwarzer in Deutschland. Daraus wird aber wohl erst einmal nichts: Denn ab Dienstag (9. Februar, 9.15 Uhr) muss sich Joao Mario B. erst einmal vor dem Landgericht Frankfurt verantworten: wegen Urkundenfälschung und Missbrauch von Titeln.

Der Zusatz «Dr.» auf seiner Visitenkarte ist offenbar ebenso ein Schwindel, wie die Behauptung, im Auftrag der Botschaft in Angola unterwegs zu sein. Der 42-jährige Angeklagte habe eigenmächtig offizielle Dokumente wie Reisepässe und Geburtsurkunden ausgestellt, sagt eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft: «Er hat sogar selber Ehen geschlossen.» Dafür habe er Geld genommen. Die Ehen seien jedoch nie gültig gewesen. Von 2007 bis 2008 werden Joao Mario B. insgesamt 74 Betrugsfälle zur Last gelegt. Auch bei seiner Einbürgerung soll er nach Angaben der Staatsanwaltschaft falsche Angaben gemacht haben.

In Frankfurt hatte «Dr. B.» im vergangenen Sommer nach dem Tod des Popstars Michael Jackson von sich Reden gemacht: Auf der Zeil dröhnte Musik aus den Lautsprechern, ein junger Mann mit Hut und Handschuhen tanzte den Moonwalk. Eine Handvoll Zuschauer versammelte sich um den Stand. Organisiert wurde die Gedenkveranstaltung offiziell vom «Bundeszentralrat der Schwarzen in Deutschland» (ZRSD), einer Organisation, von der bis dato kaum jemand gehört hatte. Ihr Präsident Joao Mario B. stand für Interviews zur Verfügung.

Bei einem Besuch in der Zentrale führte der Vorsitzende in Anzug und Turnschuhen durch die Räume. Dabei berichtet er, dass er sich für die Rechte der Schwarzen in Deutschland einsetze - und dass Michael Jackson sein Vorbild sei. Deshalb habe er einen Fanclub gegründet, zum ersten Todestag sei eine große Gedenkveranstaltung in Frankfurt geplant, kündigte Joao Mario B. an: Sieben Tage lang am Stück werde gefeiert, erwartet würden «eine Million» Besucher.

Er selbst sei vor rund 30 Jahren aus Angola nach Deutschland gekommen und habe 1996 eine Beratungsstelle für Ausländer eröffnet. Der «Zentralrat der Schwarzen in Deutschland» habe mittlerweile rund 4000 Mitglieder, auch von 35 ehrenamtlichen Mitarbeitern ist die Rede. Joao Mario B. erzählte viel von Projekten und Visionen, doch es blieben etliche Fragen offen. So berichtet der Vorsitzende davon, dass die Stadt und der Bund die Beratungsstelle finanziell unterstützten. Doch beim Amt für multikulturelle Angelegenheiten wurde die Behauptung brüsk zurückgewiesen. Ja, man kenne die Einrichtung, sagte eine Mitarbeiterin: «Aber wir arbeiten absolut nicht mit dieser Organisation zusammen.»

Die Internetseite des Zentralrates ist inzwischen gesperrt. Mit den Einzelheiten wird sich nun das Gericht beschäftigen, für den Prozess sind drei Fortsetzungstermine angesetzt.

(ddp)

08.02.2010 - 18:31 Uhr | News-ID: 38769 | 28 Aufrufe

Schlagworte: Vermischtes Meldung Prozesse Feature Urkundenfälschung FEA Frankfurt

Aktualisierung dieser Meldung am 09.02.2010 - 07:19 Uhr



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