Kultur
O'Keeffes buntes Amerika
02.02.2012 - 17:13 Uhr
Bundesweit erste große Retrospektive der US-Künstlerin in der Hypo-Kunsthalle in München
München (dapd). Die imposanten Gebäude New Yorks, die markanten Landschaften des nördlichen New Mexiko, Stillleben mit Tierschädeln aus den Wüsten des Südwestens der USA: Georgia O'Keeffe (1887 bis 1986) schuf Werke, die geradezu sinnbildlich für Amerika stehen - und sie wurde in den USA selbst zu einer Ikone. Zwar sind insbesondere ihre Blütengemälde durch Reproduktionen auch hierzulande bekannt, im Original wurden ihre Bilder in Europa bislang aber nur vereinzelt ausgestellt.
Ab Freitag (3. Februar) zeigt die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München die erste umfangreiche O'Keeffe-Retrospektive in Deutschland überhaupt. Etwa 75 Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen der Pionierin der amerikanischen Kunst geben einen Überblick über ihr Schaffen.
Für die Kunsthalle, die bis Mitte Januar noch eine sehr erfolgreiche Ausstellung mit Portätmalerei von Dürer, Cranach und Holbein gezeigt hatte, ist die O'Keeffe-Retrospektive ein "Wagnis", wie Direktorin Christiane Lange sagt. "Die meisten Leute wissen nicht einmal, wie man den Namen ausspricht." Das ist kein "Blockbuster". Doch die farbenfrohe Kunst der Amerikanerin verdient es laut Lange auch in Europa im Original entdeckt zu werden.
Die Ausstellung ist weitgehend chronologisch aufgebaut und führt nach und nach durch die unterschiedlichen Schaffensphasen der Künstlerin. Das Spektrum reicht von ersten abstrakten Arbeiten der 1910er Jahre über Gemälde mit Blumen und Naturformationen der 1920er Jahre bis hin zu O'Keeffes Stadtansichten New Yorks, Darstellungen der Landschaften New Mexikos sowie den großformatigen Arbeiten ihres Spätwerks.
Zugleich vermittelt die Schau einen Einblick in das Leben der emanzipierten Künstlerin. Zu sehen sind Fotografien, Filmsequenzen und Arbeitsmaterialien O'Keeffes wie Pinsel und Kreiden. Auch die Landschaftsformen New Mexicos, wo O'Keeffe lange Jahre lebte, werden mit Fotos und Filmen vorgestellt. Es sei wichtig für das Verständnis des Werks, einen Eindruck von New Mexico, seinen Landschaften und seiner Farbigkeit zu bekommen, sagt Lange.
Eine Schlüsselrolle für das Verständnis von Leben und Werk O'Keeffes spielt auch die Fotografie. Die Malerin war mit Alfred Stieglitz (1864 bis 1946), einem der bedeutendsten Fotografen der amerikanischen Moderne, zunächst befreundet, später auch verheiratet. Stieglitz förderte ihre Karriere, sie wiederum stand ihm häufig Modell. Zugleich entdeckte O'Keeffe selbst die Fotografie als Inspirationsquelle für ihre Malerei. In der Ausstellung sind 50 Fotografien zu sehen, unter anderem von Stieglitz, Arnold Newman, Paul Strand und Anselm Adams, aber auch von O'Keeffe selbst.
O'Keeffes Werk steht für die Loslösung der amerikanischen Kunst von der Tradition in Europa. Die Malerin habe sich von der europäischen Moderne und anderen Traditionen abgewandt, betont Ausstellungskuratorin Barbara Buhler Lynes. So hängen die meisten Bilder von O'Keeffe auch in amerikanischen Museen. Wegen der geradezu ikonischen Bedeutung ihrer Kunst für die USA war es laut Lange teilweise schwieriger ein O'Keeffe-Bild als Leihgabe zu bekommen als ein 500 Jahre altes Dürer-Gemälde auf Holz.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Georgia O'Keeffe Museum in Santa Fe wurde die in Europa bislang einzigartige Ausstellung doch möglich. Die Schau ist in drei Ländern zu sehen: Ihre erste Station hatte sie in Rom, in München wird "Georgia O'Keeffe. Leben und Werk" bis 13. Mai gezeigt, abschließend wird sie in Helsinki präsentiert.
(dapd nachrichtenagentur)
02.02.2012 - 17:13 Uhr | News-ID: 157774 | 64 Aufrufe
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