Vermischtes - Medien

Presserat erhält bisher rund 100 Beschwerden zu Loveparade

26.07.2010 - 13:51 Uhr

Die Vorwürfe richten sich gegen Fotos bei «Bild.de» oder in der «Bild»-Zeitung

Berlin (ddp). Nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg sind beim Deutschen Presserat bis Montagmittag bereits rund 100 Beschwerden über die Berichterstattung eingegangen. Diese richteten sich bisher alle gegen das Online-Portal «Bild.de» oder die «Bild»-Zeitung, sagte eine Presseratssprecherin am Montag auf ddp-Anfrage in Berlin. Bei den Vorwürfen gehe es vor allem um detaillierte Fotos von Opfern.

Die Leser sehen den Angaben zufolge Verstöße gegen Ziffer 11 des Pressekodexes. Dieser besagt unter anderem, dass die Presse auf eine «unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid» verzichtet. Betroffen ist auch Ziffer 8 zu Persönlichkeitsrechten.

Die Massenpanik, bei der auf der Loveparade 19 Menschen getötet und mehr als 340 verletzt wurden, hatte auch im Internet hitzige Diskussionen über die Grenzen der journalistischen Berichterstattung ausgelöst. Hauptziel der Kritik bei Twitter war die «Bild»-Zeitung. Sie hatte am Samstag auf ihrer Internetseite Fotos von nur notdürftig mit Tüchern zugedeckten Leichen veröffentlicht - eines davon mit der Bildunterschrift «Ein Foto das Gänsehaut vermittelt - zwei Tote am Haupteingang». Zahlreiche Mikroblogger riefen zum Boykott der Zeitung auf und veröffentlichten den Link zum Beschwerdeformular des Presserats.

Der Presserat, die freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien, wurde 1956 gegründet. Seine Hauptaufgaben sind «die Lobbyarbeit für die Pressefreiheit in Deutschland» und das Bearbeiten von Beschwerden aus der Leserschaft. Zum Jahresbeginn 2009 war die Zuständigkeit des Rates bei Beschwerden auf den Onlinebereich ausgeweitet worden. Die nächste Beschwerdeausschuss-Sitzung findet im September statt.

(ddp)

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