Kultur

Von der «Ver-Entung» der Welt

14.03.2010 - 19:02 Uhr

Die 2. «Duckomenta» öffnet auf Schloss Neuhardenberg

Neuhardenberg (ddp-lbg). Gleich am Eingang begrüßt Angela Merkel mit sonderbarem Lächeln und ausladender Handbewegung die Besucher. Das heißt, eigentlich handelt es sich bei dem Portrait um eine Ente. Zufällig trägt sie jedoch die gleiche Frisur und einen Hosenanzug wie die Bundeskanzlerin. Die Ähnlichkeit zwischen Ente und Merkel ist gewollt.

«Die Enten gibt es wirklich. Sie haben gelebt oder leben noch», scherzt Eckhart Bauer, Initiator der 2. «Duckomenta»-Ausstellung auf Schloss Neuhardenberg im Oderbruch. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung findet man auch einen an Dagobert Duck erinnernden «Alchemisten» im Stile Spitzwegs oder ein «historisches Foto» vom Abdruck eines Entenfußes, der vorgeblich vor gut 40 Jahren auf dem Mond aufgenommen wurde.

Die Künstlergruppe interDuck verfolgt seit 25 Jahren die Vision von der «Ver-Entung» der Welt. An ihrer Spitze steht Eckhart Bauer. Dem 67-jährigen Professor für Kunstsoziologie kam die Idee während eines Seminars an der Kunsthochschule Braunschweig. «Wir wollten der Frage nachgehen, wie sich die amerikanische Kultur in die europäische eingenistet hat», sagt Bauer.

Grundlage der Forschung war eine Sammlung von Merchandising-Produkten von Donald-Duck-Erfinder Walt Disney, die Bauer wahllos zusammengetragen hatte. Als er schließlich zu einem Seminar seine Sammlung von Spielzeugfiguren, Pullovern und Keksdosen mit Mickey Maus und Donald Duck mitbrachte, entstand daraus ein Workshop, in dem seine Studenten das Handwerkzeug der Malerei erlernen sollten. «Wir fingen an, berühmte Kunstwerke im klassischen Stil und mit den Techniken der Originale zu schaffen», sagt Bauer. Im Unterschied zu den Originalen wurden die dargestellten Personen durch Enten ersetzt.

Mit der ständig wachsenden und mittlerweile 130 Werke umfassenden Wanderausstellung zieht die Gruppe von damals nun schon seit zwei Jahrzehnten durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Provozieren können die Künstler mit ihren skurrilen Werken nach eigenen Angaben tatsächlich auch heute noch.

«Je weiter nördlich wir kommen, desto weniger Humor scheint es zu geben», sagt Ommo Wille, der für gut 60 Prozent der Werke verantwortlich ist. Hämische Kommentare und miserable Besucherzahlen seien die Konsequenz, sagt Wille, der als Lehrbeauftragter an der Berliner Universität der Künste arbeitet und die ironischen Bilder als «teures Hobby» malt. «Nördlich von Bremen bekommen wir keine Ausstellungsflächen, in Hamburg existieren wir gar nicht», sagt er.

Unbeeindruckt davon lassen er und die anderen das interDuck- Universum beharrlich weiter wachsen. 400 Werke umfasst das nun schon. Längst sind nicht alle frei zugänglich. «Es gibt Sachen, die tatsächlich einfach zu radikal für eine Ausstellung wären», sagt Wille, ohne Details zu verraten.

«Mickey Maus mit einer Pistole in der Hand auf den Barrikaden der Französischen Revolution oder Mini-Maus mit entblößter Brust würden Disney gar nicht gefallen», sagt Wille. Um den Verstoß gegen den Moralkodex des amerikanischen Comic-Imperiums nicht auffallen zu lassen, verzichten die interDuck-Künstler einfach auf einen Abdruck im Ausstellungskatalog.

(ddp)

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