Kultur
Weitere Vorwürfe gegen Grosz
26.02.2010 - 18:45 Uhr
Auch Nobelpreisträgerin Müller kritisiert den deutsch-rumänischen Schriftsteller erneut
Mainz (ddp). Die Spitzel-Vorwürfe gegen den in Rumänien geborenen Schriftsteller und ehemaligen Leiter der Festspiele Oppenheim, Peter Grosz, sind offenbar schwerer, als bislang bekannt. Das berichtete der SWR unter Berufung auf Zeugenaussagen und Akten des rumänischen Geheimdienstes Securitate.
Demnach soll Grosz auch den heute in Berlin lebenden Schriftsteller und Journalisten William Totok denunziert haben. «Er hat darüber berichtet, was ich schreibe, was ich beabsichtige zu schreiben, was ich politisch beabsichtige zu tun», sagte Totok dem Sender. Grosz habe der Securitate ein «Psychogramm» seiner Person geliefert, aufgrund dessen man gegen ihn vorgehen konnte, sagte Totok.
Grosz war am Mittwochabend als künstlerischer Leiter der Festspiele Oppenheim vom Stadtrat abgesetzt worden, nachdem er eingeräumt hatte, in den 70er Jahren für den rumänischen Geheimdienst Künstler bespitzelt zu haben. Die in Rumänien geborene Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller hatte am Wochenende in einem Zeitungsinterview Grosz der Spitzeltätigkeit beschuldigt und Aufklärung gefordert. Grosz hatte daraufhin eingeräumt, von 1974 bis 1977 Mitglieder der Künstlergruppe «Banat», darunter auch Müllers damaligen Ehemann Richard Wagner, in Rumänien auf Verlangen von Securitate ausgehorcht zu haben. Er hatte erklärt, dazu gezwungen worden zu sein.
In einem Gespräch mit dem SWR sagte Herta Müller nun, dass sie bei den meisten ehemaligen Securitate-Spitzeln Reue vermisse: «Die wollen alle immer nur, dass man sie bedauert. Das eigentliche Problem, dass sie für diesen Geheimdienst gearbeitet haben, dass sie einen damit in Gefahr gebracht haben, das wird während jedes Gesprächs und in jedem Brief nicht einmal berührt», sagte die Nobelpreisträgerin.
(ddp)
26.02.2010 - 18:45 Uhr | News-ID: 42903 | 165 Aufrufe
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