Wirtschaft - Feature
Wiederholter Gleisbruch im Stadtgebiet von Linz
09.12.2009 - 14:01 Uhr
Bundestagsabgeordnete fordern Aufklärung
Berlin (ddp). Ein wiederholter Gleisbruch im Zentrum der Touristenstadt Linz am Rhein bringt die Deutsche Bahn AG (DB AG) politisch unter Druck. Am dritten Oktober dieses Jahres hatte eine Bürgerin einen Gleisbruch bemerkt und gemeldet. Dies war bereits der zweite derartige Vorfall innerhalb von 15 Monaten. Mehrere Bundestagsabgeordnete aus dem Bereich Linz in Rheinland-Pfalz haben von dem Konzern detaillierte Informationen über die Ursachen der Gleisbrüche verlangt. Die Stadt Linz am Rhein hat sich in einem offenen Brief an Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und an Bahnchef Grube Rüdiger gewandt und Aufklärung gefordert.
In dem Schreiben vom dritten Dezember heißt es: Allein dem Zufall und einer aufmerksamen Bürgerin sei es zu verdanken, «dass sich auf der Bahnstrecke Köln - Koblenz in der Ortslage Linz am Rhein keine Tragödie» ereignet habe. Es gehe um «höchstes Gefahrenpotenzial», die Stadt fordere «unverzügliche Aufklärung». Es sei zu befürchten, «dass Sparmaßnahmen der DB AG zulasten der Sicherheit» gingen.
Ein Sprecher des Verkehrsministeriums bestätigte den Eingang des Briefes. Die Instandhaltung der Schienenwege sei Aufgabe der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Ein Bahnsprecher wies den Verdacht des unverantwortlichen Sparens zurück. Die DB Netz AG prüfe ständig den Zustand ihrer Infrastruktur. Technik und Intervalle seien mit dem Eisenbahnbundesamt abgestimmt. Hinweisen auf Schädigungen würde selbstverständlich nachgegangen. Für Inspektionen, Wartung, Entstörung und Instandsetzung wende die DB Netz AG jährlich «über eine Milliarde Euro» auf. Nach Schienenexperten gibt es in den Bereichen, für die die deutsche Bahn zuständig sei, jährlich etwa zehn bis 20 Gleisbrüche. Dies sei relativ wenig.
Die Linzer Stadtverantwortlichen sind besonders alarmiert, weil sich innerhalb von 15 Monaten zwei Gleisbrüche an nahezu der gleichen Stelle ereignet haben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Josef Rüddel betonte, dass der Gleisbruch nur durch Zufall und nicht von der Bahn entdeckt worden sei. Da zunehmend Güterverkehr durch die Stadt laufe, seien derartige Vorkommnisse geeignet, Ängste bei den Bürgern zu schüren. Das ohnehin eher negative Image der Bahn, dass von unzureichenden Lärmschutzmaßnahmen an der Strecke herrühre, drohe sich weiter zu verschlechtern.
Ebenso wie Rüddel hat auch die SPD-Abgeordnete Sabine Bätzing schriftlich Informationen von der Deutschen Bahn und vom Verkehrsministerium verlangt. »Linz ist eine touristisch geprägte Stadt mit vielen Besuchern von außerhalb. Die Bahnlinie verläuft durch die Stadt. Da kann jeder Unfall unabsehbare Folgen haben«, sagte sie der Nachrichtenagentur ddp. Die Linzer Vorfälle sollten auch im Verkehrsausschuss thematisiert werden. Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff erwartet »baldige Antworten von der Bahn« auf die Sicherheitsfragen. Dem Konzern müsse deutlich gemacht werden, »dass dies auch ein Thema im Bundestag ist, und nicht nebenbei abgehandelt wird«.
Dass die Gleisbrüche überhaupt rechtzeitig bemerkt wurden, ist Barbara Frings zu verdanken. Sie wohnt direkt an der Bahnlinie. »Die Gleise sind nur wenige Meter von unseren Fenstern entfernt«, sagte Frau Frings der Nachrichtenagentur ddp.
Da sie bereits seit vielen Jahren in der Nähe der Gleise lebe, nehme sie den Bahnlärm normalerweise kaum noch wahr. Doch in der Nacht zum 1. Juli 2008 sei es anders gewesen. »Da gab es immer ein lautes, knallendes Geräusch, wenn Züge vorbeifuhren. Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster guckte, sah ich, dass in einem Gleis ein Stück Schiene fehlte«, erinnert sich Frings. Sie habe einen Schreck bekommen und gedacht: »Wenn da eine Lok entgleist, dann hängt die bei uns im Haus.« Da weitere Häuser an der Strecke stehen und die Bundesstraße 42 an ihr entlang verläuft, habe sie ein Unglück befürchtet. Sie informierte die Eifelbahn, der Schaden wurde behoben und Frau Frings erhielt ein Dankesschreiben mit einem 50 Euro-Gutschein.
Am dritten Oktober dieses Jahres hörte sie nachts erneut das knallende Schienengeräusch. Als sie am Morgen auf die Schienen blickte, fehlte dort erneut ein etwa zehn Zentimeter langes Stück. Barbara Frings rief die Polizei.
Der Linzer Bürgermeister Adi Buchwald (CDU) sagte der Nachrichtenagentur ddp, die Gleisbrüche hätten sich auf einem Viadukt im Bereich des Stadtzentrums ereignet. «Darunter finden große Trödel- und Antikmärkte statt. Wenige Meter entfernt beginnt die Fußgängerzone, parallel verläuft die Bundesstraße 42. Wenn da etwas passiert, kann das in einer Katastrophe enden», warnte Buchwald. Welches Schreckensszenario Buchwald vor Augen hat, steht auch in dem Schreiben an das Verkehrsministerium und an Bahnchef Grube: «Beim bisher schwersten Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Eschede« hätten »nicht rechtzeitig erkannte und damit behobene Mängel» zum ICE-Unglück mit mehr als 100 Toten geführt.
(ddp)
09.12.2009 - 14:01 Uhr | News-ID: 27016 | 114 Aufrufe
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