Politik - Kirchen
Younan ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbunds
25.07.2010 - 17:32 Uhr
Einheit der lutherischen Kirchen soll «oberste Priorität» haben
Stuttgart/Bonn (ddp). Der palästinensische Bischof Munib Younan ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbunds (LWB). Die LWB-Vollversammlung wählte den 59-Jährigen, der als Bischof für die palästinensischen Christen im Heiligen Land und in Jordanien zuständig ist, am Samstag in Stuttgart in das Amt. Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland gratulierten ihm zu seiner Wahl. Der Lutherische Weltbund ist ein Zusammenschluss von 145 Mitgliedskirchen und repräsentiert mehr als 70 Millionen Gläubige.
Als seine oberste Priorität nannte Younan, die Gemeinschaft lutherischer Kirchen zusammenzuhalten. «Wir müssen eher darauf schauen, was uns eint, als darauf, was uns trennt», sagte er mit Blick auf unterschiedliche Positionen der LWB-Mitgliedskirchen zur Homosexualität.
Younan war der einzige Kandidat. Es wurden 360 Stimmzettel abgegeben. Auf Younan entfielen den Angaben zufolge 300 Ja- und 23 Nein-Stimmen. 37 Delegierte enthielten sich. Younan löst Bischof Mark S. Hanson (63) aus den USA ab, der bei der vorigen Vollversammlung 2003 in Winnipeg/Kanada das Präsidentenamt übernommen hatte.
Der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes und bayerische Landesbischof, Johannes Friedrich, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, gratulierten Younan. Friedrich bezeichnete ihn in seinem Glückwunschschreiben als einen Präsidenten, der sich in langen Jahren «für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung» in Jordanien und dem Heiligen Land eingesetzt habe. Younan sei überdies geschätzt «als ein Kirchenführer, der sich unablässig um die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen aller Konfessionen bemüht».
Schneider würdigte den neuen LWB-Präsidenten als «Oberhaupt einer kleinen Kirche, die unter schwierigen Bedingungen existiert». Er sicherte ihm zu, die EKD werde auch in Zukunft ein «engagierter Partner» des Bischofs und des LWB sein. Man werde ihn bestmöglich unterstützen, damit er eine stabile Basis habe, «um als Präsident des LWB wirkungsvoll zu agieren».
Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte Younan zur Wahl. Zollitsch äußerte die Hoffnung, dass «der Dialog zwischen der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund auch künftig in konstruktiver Weise fortgeführt wird». Er wünschte dem neuen LWB-Präsidenten Gottes Segen, «vor allem auch in Ihrer Verantwortung als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land».
Gewählt wurden auf der Vollversammlung auch die sechs Personen, die die lutherischen Kirchen Deutschlands künftig in der 48-köpfigen Weltversammlung vertreten: Dem Rat gehören der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, Bernd Oberdorfer (Augsburg), Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer (Hannover), Superintendentin Martina Berlich (Eisenach), Pröpstin Frauke Eiben (Ratzeburg) und die Jugenddelegierte Anna-Maria Tetzlaff (Greifswald) an, wie die Evangelische Landeskirche mitteilte.
(ddp)
25.07.2010 - 17:32 Uhr | News-ID: 69580 | 63 Aufrufe
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