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Leser-Kommentar (ID 275) von Satir


Krude Wissenschaft oder kruder Journalismus? - Der neue konservative Humanismus aus Amerika

Leichte Kritik zum Spiegel-Gespräch im Spiegel 23/2011: "Obama findet sich großartig" Der amerikanische Kolumnist David Brooks über die Selbstwahrnehmung prominenter und weniger prominenter Menschen, die Bedeutung von Emotionen für politische Entscheidungen und den Einfluss neurologischer Erkenntnisse auf seine journalistische Arbeit - von Klaus Brinkbäumer und Thomas Schulz

Der Spiegel nimmt ein paar Seiten weiter vorne - von diesem Artikel aus gesehen - die Linke auseinander, karikiert zu Recht ihre trost- und kraftlosen Anstrengungen die Welt und ihre Rolle darin zu verstehen. Ihr Selbstbild und ihr glückloser Rückgriff in die Geschichte von weitgehend fehlgeschlagenen Revolutionen. Weder das eine noch das andere bewirkt Hoffnung oder Vertrauen in irgend eine Form von Lösungskompetenz.

Und da sind die anderen. Diejenigen die Vertrauen schaffen, das Vertrauen gewinnen. Die Grünen, die das Lebensgefühl der Deutschen treffen. Und die wollen keine Ideologie. Sie wollen in Sicherheit und im Einklang mit der Natur ihren erarbeiteten Wohlstand genießen.

Der Wirtschaftsaufschwung befreit uns alle von der Last der Arbeitslosigkeit und macht auch das Migrantenproblem erträglicher. Nach einigen Sprachkursen wird man sich schon besser verständigen können. Die Migranten nehmen uns ja auch nicht mehr so viel weg. Wir sind zufrieden, auch wenn wir dem Frieden nicht so richtig trauen können. Wir spüren die Gefahren, die noch in der Finanzkrise stecken könnten. Wir sind wohl gegen ständige Hilfen für Griechen u.a.. Aber einmal können wir sie uns zur Zeit leisten und zum anderen vertrauen wir überwiegend einer Regierungschefin, die uns ja ganz gut aus dem Schlammassel herausgeführt hat, in dem ja nun alle anderen mehr oder weniger stecken. Die Roten haben da ein wenig mitgewirkt. Die Gelben waren auch anwesend. Irgendwie, theoretisch.

Aber da beginnen auf der anderen Seite der politischen Skala, die Schwarzen zu meckern. Sie rufen nach einem kantigen klaren Profil, das sie mal hatten, bevor die Regierungschefin eine unideologische Politik startete. Und da auch sie, wie die Linke und die Roten, alles verloren haben, was einmal zu ihrem Selbstverständnis gehörte, werden sie nun schon mal wütend und fordern wenigstens wieder mehr Recht, Ordnung und Sauberkeit. Doch das scheint außer der Vereinigung Deutscher Reinigungsunternehmen auch niemand mehr so richtig zu überzeugen.

Und das spürt der Spiegel. Er will retten, was noch zu retten ist. Doch statt mal diese ganze ideologische Pampe anzusprechen, die uns tief in die Finanz- und Wirtschaftskrise hineingeführt hat, scheint auch dieses Blatt ein wenig paralysiert zu sein. Das Migrantenthema ist abgearbeitet, der Krieg an der Heimatfront verloren, die Wiederbelebung der FDP gelingt selbst diesem Fachblatt für die Deutungshoheit nicht, mit Politikerprofiling ging auch vieles schief, den Bundespräsidenten haben sie angeblich mit ihrer Häme auch nicht gestürzt, und Europa konnten sie trotz ihrer neoliberal gestylten Theoriegläubigkeit und wissenschaftlicher Unterstützung aus dem universitären konservativen Biotop, das seltsamerweise zu keiner interdisziplinären Deutung des Menschen, geschweige denn seiner Ziele, mehr befähigt ist und sie deshalb auch nicht anstrebt, noch nicht in die finale Krise stürzen.

Doch der Spiegel hat noch Überzeugungen und versteht das Prinzip Hoffnung immer wieder neu, zu besprechen. Wichtig dabei ist, jede tiefschürfende Analyse zu vermeiden. Das probate Mittel dazu kommt wie so vieles aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das uns lange als das Wirtschaftswunderland natürlich auch die Theorien für unsere Gesellschaftswissenschaften geliefert hat. Der Erfolg blieb ja nicht aus. Globalisierung, Krieg, prekäre Arbeitsverhältnisse im Niedrig-Lohn-Sektor und Finanz- und Wirtschaftskrise sind Exportschlager eines Landes, das ansonsten nicht mehr allzu viel zu exportieren hat. Nicht einmal die Raumfahrt beeindruckt mehr. Sie scheint nur noch dazu da zu sein, die Erde einmal hinter sich zu lassen, wenn wir sie sinnlos ausgebeutet und zugemüllt haben.

Und was ist das spannende probate Mittel, das uns - den Nichtganzgrünen - nun als Strohhalm angeboten wird? Zugegeben es ist mehr als ein Strohhalm, es ist ein ganzer Ballen Stroh, gebündelt, ge-presst und sonnengespeicherte Wärme ausstrahlend, nach der Viele suchen. Es ist der neue Humanismus des Konservativen David Brooks, der konservativen Stimme der New York Times. Er hat entdeckt, dass der Mensch nicht der Homo Öconomicus ist, was der Spiegel nicht schreiben wollte, weil es doch zu sehr gegen die eigenen Überzeugungen gegangen wäre.

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Satir
Günther Kirchner

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