Auch Grünenpolitiker kennen Afrika-nach meinen Erfahrungen- nur von kurzen Besuchen, die von den interessierten Entwicklungsorganisationen bestens in deren Sinne geplant wurden. Gezeigt werden Projekte mit begrenzten Lösungen für Einzelfälle. Fragen nach Ursachen weshalb Entwicklungsprojekte scheitern, sind unbequem. Viel einfacher ist es mehr Geld zu fordern. Das Afrikabild wird immer mehr von Hilfswerken geprägt. Nur wenige Medien leisten sich noch festangestellte Korrespondenten. Deshalb ist quantitatives Denken in der Entwicklungshilfe weit verbreitet. Die lärm-und reklamefreudige Entwicklungshilfe-Lobby befeuert mit Verve immer wieder die Diskussion, denn allein in Deutschland leben über 100.000 Menschen von der Entwicklungshilfe. Die Geberstaaten sind vor 40 Jahren bei den Vereinten Nationen eine Selbstverpflichtung eingegangen. 0,7 Prozent am Bruttonationaleinkommen sollte der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungshilfe betragen. Seitdem gelten diese 0,7 % als magische Zahl für erfolgreiche Hilfe.
Es hat aber keinen Sinn, erst über Beträge zu sprechen und dann über Aufgaben, die damit finanziert werden sollen. Das schlimmste an der Diskussion: Sie konzentriert sich auf finanzielle Größen - und leistet dem verheerenden Denken Vorschub, mehr Geld bringe mehr, mehr Geld bedeute mehr Entwicklung. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, dass sich Entwicklung von außen nicht steuern lässt, werden nicht zur Kenntnis genommen. Es gibt keine überzeugenden Argumente für immer mehr Geld wenn die Impulse für Entwicklung nicht aus dem Land selbst kommen. Wenn Entwicklungshelfer nach eigenen Erfahrungen die Sinnhaftigkeit der Hilfe in Frage stellen, wird dies von der Hierarchie als Illoyalität vorgehalten. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"
Volker Seitz